Einkaufswagen
Loading

KI, Hybrid-Kunst und ich: Warum künstliche Intelligenz besser ist als ihr Ruf

Machen wir uns doch alle nichts vor: KI ist heute überall drin.

Und ich sage es ganz ehrlich: Du nutzt sie selbst schon lange, ob du es weißt oder nicht.

Also hören wir auf, sie zu verteufeln, sondern betrachten wir sie als das, was sie ist: Ein mächtiges Werkzeug.

Schau dir die Bildbearbeitung in Photoshop an – die ist mittlerweile so vollgestopft mit KI, dass man kaum noch eine Grenze ziehen kann. Wenn ein Ausschnitt zu klein ist, vergrößere ich ihn mit KI. Früher musste man Hintergründe oder Objekte mühsam stundenlang wegretuschieren; heute reicht ein einziger Knopfdruck, um etwas wegzuzaubern. Als Fotograf erkenne ich seit 20 Jahren, wenn Bilder bearbeitet wurden. Und ganz ehrlich: Die retuschierten Bilder, die schon vor Jahren entstanden sind, hatten oft absolut nichts mit der Realität zu tun. Heute geht es in fast allen Bereichen einfach nur schneller.


Am Ende ist KI wie der billige Schönheitschirurg für arme Leute: Bei TikTok und in den sozialen Medien wird der Faltenhund von 65 Jahren plötzlich zu einem heißen Feger von geschätzten 30 Jahren. Auf der Straße würde man die meisten gar nicht wiedererkennen! Ich selbst bin so hässlich wie ich bin und bleibe es auch. Obwohl... ich habe mal einen Filter bei TikTok ausprobiert, mit geschminkten Wimpern und einer faltenfreien Babyhaut. Oh yeah, geile Sau, sag ich dir!


Und die Musikindustrie? Gerade die „Big Player“ machen es uns doch seit Jahrzehnten vor. Seit 1997 läuft da fast nichts mehr ohne Autotune. Damit kann heute jeder Volldepp im Studio klingen wie die geilste Sau.

Und von Playback müssen wir gar nicht erst anfangen – wie viele singen auf Konzerten bitteschön noch wirklich live, anstatt nur lippensynchron den Mund zu bewegen? Im Studio arbeiten Heerscharen von Technikern mit Autotune und nützlichen KI-Tools daran, dass das hübsche Gesicht auf dem Cover auch stimmlich gut klingt. Wenn ein Song dich am Ende berührt, ist es völlig egal, ob Hunderttausende Euro oder Dollar im Studio verpulvert wurden, eine ganze Mannschaft am Song rumgefeilt hat und der Künstler selbst ohne Autotune wie Kermit der Frosch klingen würde.


Was zählt, ist die ehrliche Emotion, die bei dir ankommt.

Viele Kritiker jammern: „Ihr nehmt den echten Profis das Geld weg!“ Aber das ist Quatsch. In der Regel würde man es als Independent-Künstler sonst einfach lassen und gar nichts machen. Kaum jemand hat das dicke Geld, um für jede Kleinigkeit einen teuren Profi zu engagieren.


Trotzdem ist KI für die einen der Untergang des kreativen Handwerks, für die anderen ein seelenloses Plagiat-Werkzeug. Ich sehe das völlig anders. Für mich ist KI weder eine Bedrohung noch ein einfacher „Knopf, auf den man drückt und fertig ist die Kunst“. Sie ist mein verlängerter Arm, mein Co-Produzent und eine gigantische Erleichterung im Alltag.


Hier ist meine ungeschönte Sicht darauf, warum die Verbindung von Mensch und Maschine – die sogenannte Hybrid-Kunst – so viel besser ist als ihr Ruf.


1. KI ist kein Künstler – sie ist ein Werkzeug (Wie die E-Gitarre oder der Synthesizer)

Als damals die ersten Synthesizer aufkamen, schrien viele: „Das ist keine echte Musik mehr, da drückt man ja nur Tasten und es kommt ein fertiger Ton heraus!“ Heute ist der Synthesizer aus keinem Musikgenre mehr wegzudenken. Mit der KI ist es genau dasselbe.

  • Ohne den Menschen ist die KI stumm und ideenlos. Eine KI hat keine Seele, keine Schmerzen, keine Trauer und keine unheilbare Krankheit. Sie weiß nicht, wie es sich anfühlt, ein persönliches „Nine Eleven“ zu durchleben.
  • Der Funke kommt von mir: Die tiefen Gefühle, die mühsamen Recherchen und die echten Lebenserfahrungen, die in jedem meiner Songtexte stecken, kann mir keine KI abnehmen. Ich bin derjenige, der die Richtung vorgibt. Die KI liefert mir lediglich die rohen Farbtöne – das Bild malen und zusammensetzen muss ich selbst.

2. Der chirurgische Eingriff: Was nach dem „Knopf“ passiert

Viele stellen sich vor, man füttert ein Programm wie Suno mit ein paar Worten, lädt die fertige Datei herunter und stellt sie online. Das kann man zwar machen, aber irgendwann stellt man fest und habe ich auch festgestellt: Wer so arbeitet, liefert seelenlosen Einheitsbrei. Bei mir läuft das deshalb völlig anders:

  • Das Fundament sind die Songtexte: Ich schreibe meine Texte selbst, nutze aber meinen „Eumel“ (meine KI) als Sparringspartner. Wenn mir ein Wort nicht einfällt, lasse ich mir passende Vorschläge machen. Gerade bei kryptischen oder sozialkritischen Texten frage ich nach, ob ein Satz so passt oder ob er den Sinn des Liedes unabsichtlich verändert. Früher habe ich Rammstein nie gehört – aber heute wird meine Musik bei Spotify Radio genau dort und neben anderen hochkarätigen Künstlern einsortiert, was mich riesig freut. Erst durch das Schreiben mit der KI habe ich die Texte von Rammstein gelesen und auch richtig verstanden. Da stecken tiefe Botschaften drin! Ich liebe es, solche versteckten, kryptischen Botschaften in meine Songs einzubauen, anstatt nur eine einfache Geschichte knallhart herunterzuerzählen. Ganz ehrlich: Ohne die KI würde es heute wohl keine Songs von Hajo Dancke geben. Wer mich kennt würde vielleicht mein apartes Stimmchen erkennen. Vielleicht gäbe es die Songtexte, aber fertige Hajo Dancke Songs? Niemals.


  • Das Aufteilen der Rollen: Ich fange beim Schreiben gar nicht starr an. Oft lese ich einen fertigen Text und entscheide mittendrin: Das ist perfekt für Yara Noir oder vielleicht doch eher für Lara Joy Lange anstatt für mich oder Jo Tarak. Manchmal bringt mich die KI also mein Eumel erst darauf und sagt: „Boah, das zieht rein, das wäre genial für Jo!“ Und warum sollte ich diese Annehmlichkeiten nicht nutzen? Warum sollte ich das Genre nicht von der KI erkennen lassen, um es beim Distributor richtig einzutragen?
  • Der Funke und das Mastering: Die KI hilft mir, eine rohe, emotionale musikalische Skizze zu erzeugen. Aber was später daraus wird, ist ein handgemachtes Lied. Jedes einzelne Lied wird von mir in meiner DAW Reaper bearbeitet und am Ende kommt eine hochwertige WAV-Datei für dich raus was du dann gerne hörst. Das ist kein „Generieren auf Knopfdruck“ Deswegen weisen die Analysen meiner Songs auch so hohe Hybrid-Werte (über 80 % bis 95 % Mensch-Maschine-Anteil) auf.

3. Ein Segen für Barrierefreiheit, Recherche und Gesundheit

Wir müssen auch ganz praktisch denken. Ich bin unheilbar krebserkrankt. Mein Alltag ist oft geprägt von Chemotabletten, Schmerzen und Tagen, an denen mir einfach die Kraft fehlt. Es gibt auch Songs darüber. Manchmal ist Atmen schon ein ganzer Arbeitstag. Einkaufen bei Kaufland ist für mich ... ich bin danach 4 Tage fertig und kann nicht mal richtig leben. Schmerzfrei? Vergiss es. Ich bin im Gefängnis fast besser dran als zu Hause, wo ich Essen kochen, Wäsche waschen, Geschirr spülen muss... moment mal, lol.

Machen wir ein Jo Tarak Song damit:

Bis der letzte Ton im hölzernen Möbelstück verklingt

  • Texte glätten & Betriebsblindheit besiegen: Rechtschreibung war schon immer mein Steckenpferd. (Oh Gott, nein... Es war mir egal, ich habe alles klein, ohne Punkt und Komma geschrieben. Ich habe keine Fehler im Wort gehabt, wer lesen kann, ist klar im Vorteil, und ich sagte immer, wer liest den Punkt und Komma mit? Naja, wegen der Lesbarkeit in meinen Geschichten, weil man es verlangt, musste ich mich beugen). Obwohl ich ein Autorenprogramm mit Duden-Anzeige nutze, finde ich in meinen bereits veröffentlichten Büchern immer noch Fehler. Wenn man ein Buch geschrieben hat, hat man die Sätze schon tausendmal gelesen. Man wird absolut betriebsblind. Seine eigenen Bücher Korrektur zu lesen (und glaubt mir, ich habe es nie nur einmal, sondern dreimal getan), ist eine Arbeit für kriminelle Kinderfresser! Ich kann meine eigenen Bücher nicht mal richtig lesen oder meine eigenen Filme ansehen – ich gucke hin und plötzlich ist es vorbei, wie im Traum. Erst Jahre später kann ich das mit Abstand genießen, aber dann ist es zu spät. Genau hier ist KI-Unterstützung wie DeepL ein Segen für mich: Sie bügelt meine Tippfehler glatt, macht Sätze schöngemacht und lesbarer, wo ich mich gerne mal schnörkelhaft verliere. Am Ende kontrolliere ich natürlich alles selbst, aber es ist eine immense Erleichterung. Ich bin kein professioneller Lektor, und das merkte man meinen Büchern früher an. Da fragte ich mich manchmal selbst: „Was hast du da gemacht? Warst du am Pennen?“ Ja, genau so war es.
  • Vereinfachte Recherche: Wenn ich an sozialkritischen Texten arbeite (wie zum Thema Pinocchio oder Paragraf 188), vereinfacht die KI die Recherche ungemein. Früher musste man sich mühsam durch Google-Ergebnisse quälen, bis man fündig wurde. Heute sage ich einfach: „Du, ich habe mal gelesen, dass... kannst du das mal nachgucken?“ Die KI findet das Zitat oder Lied sofort und weist mich auf Zusammenhänge hin, die man allein kaum überblicken kann.
  • Die richtige Software finden: Sogar bei der Wahl meiner DAW hat mir die KI geholfen. Ich habe sie Preise, Funktionen und Details heraussuchen lassen und hatte am Ende zwei Programme zur Auswahl. Ich hatte erst ein anderes im Einsatz und merkte, das ist nichts für mich. Kann Reaper das alles auch? Ja, und sogar besser! Ich konnte es in Ruhe testen, ohne sofort zu bezahlen. So etwas ist heute selten. Gerade mit meiner Krankheit hilft mir das enorm, den Überblick zu behalten, wenn die Konzentration nachlässt.
  • Zeit gewinnen: Man hört ja oft, man könne auf Knopfdruck ganze Bücher in 10 Minuten schreiben und damit reich werden. Fragt mal eine KI, wie schwer das wirklich ist und welche Hürden es gibt! Das ist Blödsinn. Aber die KI nimmt mir die lästigen Routineaufgaben ab, sodass ich mich voll und ganz auf das konzentrieren kann, was für mich wirklich zählt: Mein Vermächtnis – meine Musik und meine Geschichten fertigzustellen, solange ich es noch kann.


Mein Fazit: Die Mischung macht die Seele aus

KI ist ein Katalysator. Sie ersetzt nicht das menschliche Herz, sondern sie verstärkt es. Sie ermöglicht es mir, als unabhängiger Einzelkämpfer aus Herten Musik in einer Qualität und Geschwindigkeit zu veröffentlichen, für die man früher ein ganzes Studio-Team und tausende Euros gebraucht hätte.

Egal wie viel Geld im Spiel war: Wenn Jo Taraks raue Stimme dich packt, Yara Noirs Songs dir eine Gänsehaut verpassen oder Lara Joy Langes Melodien dich tief berühren, dann ist die verbaute Technik völlig egal. Was zählt, ist die ehrliche Emotion, die bei dir im Herzen ankommt.

Und diese Emotion ist und bleibt zu 100 % menschlich.

Dein Hajo




Wo steckt KI schon sehr lange drin? Was du gar nicht so bemerkt hast...


Die Anfänge: Der „Roboter-Journalismus“ (ab ca. 2014/2015)

Die ersten Gehversuche begannen vor gut 10 bis 12 Jahren. Große internationale Nachrichtenagenturen wie Associated Press (AP) oder die Los Angeles Times sowie große deutsche Regionalzeitungen (wie z. B. die Stuttgarter Zeitung) fingen um 2014 und 2015 an, strukturierte Daten automatisch in Texte umwandeln zu lassen.

Das waren damals allerdings noch keine kreativen KIs, sondern sogenannte Textroboter (Natural Language Generation). Sie funktionierten nach dem einfachen Prinzip: „Wenn Daten-Wert X vorliegt, schreibe Satz Y.“

Das wurde vor allem für zwei Bereiche genutzt:

  • Sportberichte aus den unteren Ligen: Wo kein Reporter hinfahren konnte, fütterte man die KI mit den nackten Torschützen- und Ergebnisdaten. Der Roboter baute daraus einen Standard-Text wie: „Heimmannschaft gewinnt 3:1 gegen...“
  • Finanz- und Wetterberichte: Quartalszahlen von Unternehmen oder der tägliche Wetterbericht wurden vollautomatisch aus Tabellen generiert.

Die Situation heute: Das Ende des Qualitätsjournalismus?

Heute sieht das Ganze anders aus. Die KI ist natürlich um ein Vielfaches besser geworden und kann Redakteuren mittlerweile durchaus den Job kosten.

Machen wir uns jedoch nichts vor: Der echte Qualitätsjournalismus ist ohnehin vorbei. Was wir heute oft serviert bekommen, sind meinungsvorgebende, zielgerichtete Mitteilungen, die klaren Anweisungen folgen, was gesagt werden darf und was nicht. Ganz ehrlich: Solche Nachrichten sind das Geld einfach nicht mehr wert.


Wenn wir den Blick mal von den Zeitungen lösen und schauen, wo KI (oder smarte Algorithmen) abseits vom Journalismus schon seit Ewigkeiten unbemerkt unseren Alltag steuert, wird die Liste verdammt lang. Wir nutzen sie oft täglich, ohne überhaupt noch darüber nachzudenken:


1. In der Musikproduktion

  • Audio-Restaurierung & Pitch-Korrektur: Werkzeuge wie Melodyne oder Antares Auto-Tune nutzen schon seit den späten 1990er und frühen 2000er Jahren komplexe mathematische Algorithmen, um Tonhöhen zu erkennen und Stimmen glattzuziehen.
  • Intelligentes Mastering: Dienste wie Landr oder Tools wie iZotope Ozone analysieren Songs schon seit vielen Jahren vollautomatisch und passen EQ und Kompression basierend auf Referenz-Datenbanken an.

2. Beim Online-Shopping und Streaming

  • Empfehlungs-Maschinen: Ob Amazon, Netflix oder Spotify – die Algorithmen, die dir basierend auf deinem bisherigen Geschmack den nächsten Song oder Film vorschlagen, arbeiten schon seit über 15 Jahren mit maschinellem Lernen. Sie analysieren riesige Datenberge im Hintergrund, um dein Verhalten vorherzusagen.


3. Auf deinem Smartphone und im E-Mail-Postfach

  • Die Spam-Filter: Das ist wohl das älteste Beispiel. Schon seit den frühen 2000er Jahren lernen E-Mail-Filter (wie bei Gmail) durch sogenannte Bayes-Klassifikatoren (eine Vorstufe moderner KI) permanent dazu, welche Wörter typisch für Betrug sind, und sortieren den Müll automatisch aus.
  • Kamera-Software: Wenn du mit dem Handy ein Foto machst, sorgt eine "KI" (Computational Photography) schon seit Jahren im Bruchteil einer Sekunde dafür, dass der Himmel blauer und die Schatten heller werden, noch bevor das Bild überhaupt abgespeichert ist.


4. Im Straßenverkehr und bei der Post

  • Navigationssysteme: Google Maps und Co. berechnen Staus und Ankunftszeiten schon lange nicht mehr nur nach statischen Daten, sondern nutzen prädiktive Algorithmen, um Verkehrsflüsse vorauszusagen.
  • Handschriften-Erkennung: Die Post sortiert Briefe schon seit den 1990er Jahren mit Systemen, die gelernte Muster nutzen, um handgeschriebene Postleitzahlen auf den Umschlägen blitzschnell zu entziffern.


Die Technologie ist also schon uralt und oft ein nützlicher Helfer im Hintergrund. Die Debatte, die wir heute führen – ob beim Journalismus, bei der Kunst oder der Musik –, ist nur deshalb so hitzig geworden, weil die KI plötzlich in Bereiche vordringt, die wir immer für rein "menschlich" und kreativ gehalten haben.

Und genau da schließt sich der Kreis zu deiner Reaper-Arbeit: Wenn alles ringsherum immer automatisierter und glatter wird, ist das ehrliche, dreckige Handarbeit, die am Ende den Unterschied macht.


Wie siehst du das – stört dich die KI in solchen Alltagsdingen wie dem Spam-Filter oder Navi genauso, oder ist das für dich eine andere Schublade als bei Texten und Musik?