Kurzgeschichte – Heilemachen
Heilemachen.
„Papa? Wann gehen wir wieder nach Hause?“ Ich saß mit Nakoa im Freien. Um uns herum herrschte die Natur. Wir waren seit einem Jahr mit ihr verbunden wie nie zuvor. „Ich weiß es nicht“, antwortete ich Nakoa und genoss die kurze Pause von der harten Arbeit auf dem Feld. Bienen flogen von Blume zu Blume, eine Ameise krabbelte an meinem Bein empor und ich dachte an die Stadt. Wie sah das Leben dort heute wohl aus?
Ich erinnerte mich nicht mehr, wann es genau angefangen hatte. Der Kontrollverlust. Zu viel Zeit war vergangen, zu viel harte körperliche Arbeit hatte meinen Körper gestärkt und den Geist geschwächt.
Mein Gehirn schien im täglichen Schweiß der Arbeit langsam zu ertrinken und zu verkleben. Meine Gedanken flossen meist leblos dahin, einer Wasserleiche gleich, und nur gelegentlich warf mein Gehirn noch Erinnerungen an mein früheres Leben aus, ähnlich einem vor dem Ertrinken geretteten Menschen, der das Wasser aus seiner Lunge spuckt.
Plötzlich stach mich eine Wespe in den Arm. „Fuck“, schrie ich laut. Nakoa lachte nur und sagte „Du bist doch ein Heilemacher. Jetzt zeig mal, was du kannst“.
„Danke für dein Mitgefühl, Nakoa“, sagte ich ärgerlich und dachte nach, während ich das Gift aus der Haut saugte. Heilemacher? In diesem Moment erinnerte ich mich an die Stadt und an die Nachricht, die ich damals von meinem Arbeitgeber, der Agentur Heilemacher Communication erhielt. Das lag auch an dem besonderen Ort des Geschehens, genauer, an dem stillen Örtchen, an dem ich diese erhielt.
Ich saß damals auf dem Klo im angesagten Fastfood-Tempel Insectum und genoss es, einfach mal ein paar Minuten alleine zu sein.