Kurzgeschichte – Die guten alten Zeiten. Dick aufgetragen.
Die guten alten Zeiten. Dick aufgetragen.
Sollte ich mein Haupt wirklich senken? Sollte ich meinen Blick nach unten richten? Sollte ich mich tatsächlich selbst erniedrigen? Noch hatte ich die Möglichkeit, von der Waage herunterzusteigen und sie keines weiteren Blickes zu würdigen. Ein diabolischer Drang zur hämischen Selbstzerstörung zwang mich jedoch, mich selbst zu richten. Ich schaute nach unten. Die digitale Anzeige konfrontierte mich mit der grausamen Wahrheit. Die rot leuchtenden Zahlen kannten kein Erbarmen.
Ich hatte es geahnt und verfluchte diesen massiven Körper. Mein freischwebender Geist litt seit Langem schon unter dieser fleischgewordenen Trägheit, die ihn zunehmend belastete. Es war diese völlig aus der Kontrolle geratene Fress- und Verdauungsmaschine, die meine nach der Leichtigkeit des Seins strebende Seele ständig in den Abgrund zog; in die schwergewichtige Banalität des Frönens. Der Engel in mir wollte fliegen, doch seine Flügel hatten sich im Fett seines irdischen Leibes verklebt.
„Fuck. Fuck. Fuck“, kam es mir leise über die Lippen.