Der zurückgelassene Schild
Bei Cannae ließ er seinen Schild im Staub liegen. Den Rest seines Lebens fragte er sich, was das aus ihm machte.
Am zweiten August 216 v. Chr. wurde auf einer Ebene am Fluss Aufidus das größte Heer vernichtet, das Rom je aufgestellt hatte. Titus Labonius, Sohn eines Bauern aus den Sabinerbergen, lag begraben unter seinen toten Zeltgenossen und kroch in der Dämmerung hervor, ohne eine Wunde und ohne den Schild, den sein Vater ihm in die Hände gelegt hatte. Nie wieder konnte er sagen, ob er einen Herzschlag länger still gelegen hatte, als ein tapferer Mann es getan hätte.
In jener Nacht führte ein Tribun sechshundert Männer aus einem eingeschlossenen Lager mitten durch den Feind, und Titus ging mit ihnen hinaus, nichts am Arm. Rom dankte den Überlebenden nicht. Es nannte sie die legiones Cannenses und schickte sie nach Sizilien; Italien durften sie nicht mehr betreten.
Jahre später sucht ein junger Feldherr namens Scipio Freiwillige, um den Krieg nach Afrika zu tragen. Titus meldet sich, im niedrigsten Rang, den das Heer kennt. Sein Weg führt ihn zu einem Feld namens Zama und zu der Frage, die er seit Cannae mit sich trägt: ob er damals geflohen ist oder nur überlebt hat.