Der Sinn des Daseins

by Posthumus Projects

GEWISS, mein Freund, sind jene Augenblicke dir nicht völlig fremd, in denen — scheinbar ohne allen Grund — dich plötzlich und auch wohl inmitten vieler Menschen, eine seltsame Empfindung grenzenloser Fremdheit gegenüber deiner Umwelt packte, zugleich mit dem Erwachen einer unnennbaren Sehnsucht, die oft stundenlang noch in dir weiterwirkte. — 
Suchst du dich dieser Sehnsucht zu erinnern, so wirst du heute mir zu sagen haben: 
«Es war Sehnsucht nach erahnter, unerfaßlich ferner Heimat meiner Seele!»
«Es war Sehnsucht nach Vereinigung mit lichten Wesen, die mein Innerstes erfühlen und verstehen könnten!» 
«Es war wohl — das Ersehnen eines unbekannten hohen Glückes, das mir dennoch wunderbar vertraut erschien!» 
Vielleicht war in dir auch ein Erstaunen über dein Erleben, denn du wußtest dir nicht zu erklären, wo es begründet sein könnte… 
Dort, wo du im Augenblick dich verflochten fandest mit der Außenwelt, war Ursache nicht zu finden.
Weiter jedoch wolltest du dich nicht wagen, da du nicht enden wolltest im Aberglauben. — 
So nanntest du dein Erleben: «eine seltsame Stimmung», — und dein Sinnen ward müde des Suchens nach Erklärung. 
Dennoch war wahrlich Grund vorhanden, nach so sonderbaren Erlebens Ursache zu forschen, und hättest du weiter suchen wollen, so würdest du endlich auch gefunden haben, daß dein Empfinden sich ergab aus unbewußter Berührung mit einer dir unsichtbaren 
Welt. — — — 
Du hattest nichts anderes erlebt als eine wahrhaftige Bekundung der Welt des Lichtes, mitten in deinem Erdendasein, und es erschien dir plötzlich alles allhier Gewohnte seltsam «fremd», weil du einen Augenblick lang überlichtet wurdest aus jenem Lichtreiche, das die wahre Heimat deiner Seele ist. 
So mußte dich auch jene Sehnsucht packen, da du in der Berührung beider Welten unbewußt erfühltest, daß die Außenwelt der Erde dir nur wohlvertraute «Fremde» ist. — — — 
Ich rate dir: Achte hinfort auf solche Augenblicke und nimm dankbar an, was sie dir bringen! 
In diesen Augenblicken birgt sich wundersame Macht, und sie können großen Einfluß auf dein Leben gewinnen!
Es kann sich Wesentlichstes in dir wandeln, wenn du willig dich zu ihren Wundern wendest! — 
Und wenn du dessen achten magst, so wirst du bald gewahren, daß solche Augenblicke stets in ganz bestimmten Zeitenfolgen wiederkehren! 
Du wirst jedoch dann auch bemerken, daß diese Zeitenfolgen immer kürzer werden, je höher du zu werten weißt, was die Berührung beider Welten dir zu geben hat!


Contents in Deutsh
Zuruf. 
Die Sünde der Väter. 
Das höchste Gut. 
Der „böse” Mensch. 
Bekundung der Lichtwelt. 
Bedeutung des Schweigens.
Wahrheit und Wahrheiten
Beschluß

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